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Anekdoten

Autor: LenaSalewski | Datum: 21 Januar 2013, 09:14 | Kommentare deaktiviert

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Und hier ist er, der nächste Blogeintrag. Es ist sehr viel passiert, im Dezember und der letzten Zeit generell. So viel, dass ich damit meinen nächsten Rundbrief füllen werde, als o werdet ihr euch wohl noch ein bisschen gedulden müssen.

Heute kommt eine kleine Fortsetzung meines letzten Blogeintrags über das Restaurant.

Ich habe ein paar Anekdoten zusammengesucht, die ich mit euch teilen möchte. Ein bisschen was zum Schmunzeln, ein paar Fettnäpfchen, kleine Einblicke in die Kultur hier und was so passieren kann, wenn man als Volontärin in Tansania lebt.

 

Ich habe festgestellt, dass es hier recht üblich ist, einander zu sagen, dass man sich vermisst und andere Gefühlsbewegungen auszutauschen, selbst wenn man einander nur flüchtig kennt. Das wird am liebsten per SMS gemacht, aber auch so im Gespräch. Und so kam es, dass ich auf einer Hochzeit war, bei der ein Chor gesungen hat, den ich schon 2 oder 3 Mal vorher gesehen habe. Nach einem Lied gingen sie wieder nach hinten und ein Sänger ist stehen geblieben, um mich zu begrüßen. Nach den üblichen Begrüßungsfloskeln fragte er mich dann, ob ich sie (den Chor) denn vermisst hätte. Ich war leider durch die laute Musik und das ganze Drumherum so abgelenkt und konnte ihn nicht gut verstehen. Also habe ich sein „vermissen“ mit „vergessen“ verwechselt, ebenfalls eine häufiger gestellte Frage. Also habe ich ein vollkommen überzeugtes „NEIN!“ geantwortet. Erst nachdem er mit völlig verdutztem Gesicht abgezogen ist, habe ich meinen Fehler bemerkt…

 

Vor wenigen Tagen haben wir ein sehr eingängiges Lied morgens während der Morgenandacht gesungen. Ich hatte gute Laune und man hört eigentlich während der Arbeit fast immer irgendjemanden singen oder summen. Also habe ich während des Wäsche Faltens das Lied gepfiffen. Ich habe gemerkt, dass ich ein paar Blicke abbekommen, mir aber nichts dabei gedacht, da man es nach 4 Monaten als „Mzungu“ (Weiße) in Tansania dann doch irgendwie gewohnt ist, immer beobachtet zu werden. Nach ein paar Minuten hat dann eine Kollegin gemeint, in Tansania wäre es für Mädchen nicht üblich zu pfeifen. Das tun nur die Männer, die bei den Tieren arbeiten. Ein Mädchen, das einen Verlobten finden und für voll genommen werden möchte, pfeift nicht. Meine spontane und unüberlegte Antwort (wahrscheinlich ein bisschen frech gegenüber einer über 60jährigen Nonne) war: „Na da hab ich ja Glück, dass ich in Tansania keinen Ehemann suche!“

 

Eines Tages war ich wie immer in der Schule unterwegs und musste zu einer Lehrerin nach Hause, um etwas wegen der Prüfungen zu fragen. Bei ihr angekommen wurde ich natürlich reingebeten und Tee und Kekse wurde aufgetischt. Während wir ein bisschen uns über das Essen in Tansania und Deutschland unterhielten, meinte sie: „Ja, man sieht, dass du die Kochbananen hier magst. Du isst die wohl jeden Tag, so wie du zugenommen hast!“ Kurze Zeit später hat sie diese Bemerkung noch ein paar Mal vor dem gesamten Lehrerkollegium geäußert. So kamen mir an einem anderen Tag zwei Lehrer entgegen und der Eine meinte etwas zu mir, dass ich nicht verstanden habe. Also hat die zweite Lehrerin netterweise übersetzt: „Lena, you’re fat! But, don’t worry, just a little bit! But, yes, you ARE fat!“

Zur Erklärung: zu bemerken, dass der Andere zugenommen hat, ist wohl mit “Du bist aber braun geworden!“ gleichzusetzen. Trotzdem, wenn es sich einmal eingebürgert hat und man es von den unterschiedlichen Lehrern so ziemlich immer als Begrüßung entgegengerufen bekommt, ist das für eine westlich geprägte junge Frau nicht das schönste Kompliment. Vor allem, weil es nicht unbedingt auf eine genaue Beobachtung zurückzuführen ist, sondern als allgemeines Kompliment gerne gebraucht wird.

 

Auf einer Schulfeier gibt es immer wichtige Gäste, die auf der Bühne sitzen, als Erstes zum Essen gehen dürfen, etwas zu trinken bekommen etc. Da ich weiß bin, werde ich fast immer mit auf die Bühne gesetzt, damit mich alle gut sehen können. Es ist nicht üblich, Kollekten versteckt und so anonym wie möglich abzuhalten, sondern offen und als richtiger Programmpunkt. So kommt es öfters vor, dass jeder wichtige Gast das Mikrofon vor die Nase gehalten bekommt und dann dem gesamten Publikum verkünden muss, wie viel er spendet. Zwar konnte ich mich bisher immer noch davor irgendwie drücken, es wird aber trotzdem bei jedem Einzelnen aufgeschrieben, wie viel er gibt. So war ich mit einem anderen Lehrer auf einer solchen Feier und musste dem Mann mit dem Zettel sagen, wie viel ich gebe. Nachdem der Mann dann weitergegangen war, hat der Lehrer ernsthaft versucht, mich in eine Diskussion über die gegebene Summe zu verwickeln. Seine Worte: „Was, du hast nur so wenig gegeben? Also, weißt du, der da vorne hat 60 000 Tsh gegeben (circa 30 Euro) und ich, ich habe 20 000 Tsh (circa 10 Euro) gegeben. Wieso has du denn nur so wenig gegeben? Willst du denn nicht helfen?“

 

Auf der gleichen Schulfeier war der Moderator, ein Lehrer der Schule, ein begeisteter Deutschlerner. So war er begeistert, eine Deutsche dabeizuhaben und hat mich immer wieder während seiner Moderation gesondert herausgehoben, indem er alles auf englisch übersetzt hat oder vor der versammelten Schule Bemerkungen über die Mzungu gemacht hat. Zwischendurch kam er dann zu mir, erzählte mir, er wolle im nächsten Jahr mit Deutschunterricht anfangen und fragte mich, ob er mich ab und zu nach ein paar Vokabeln fragen könnte. Ich habe mich natürlich bereiterklärt. Als wir dann unbemerkt früher gehen wollten, wurde das vom Moderator bemerkt, ich wurde auf die „Bühne“ gerufen und es wurde allen verkündet, dass ich ja demnächst hier deutsch unterrichten werde. Was soll man dann vor 200 Leuten sagen??

 

Tansania ist ein sehr kinderreiches Land. Und so kommt es, dass während des ersten Kennenlernens auch schon nach möglichen Kindern gefragt wird. Das wusste ich am Anfang natürlich noch nicht so genau. Also kam es so: An einem meiner ersten Arbeitstage habe ich mich einer Kollegin vorgestellt. So wie ich ihr Alter nicht einschätzen konnte, konnte sie es bei mir auch nicht. Nach den üblichen Fragen nach Name, Herkunftsland, ob beide Eltern noch leben, Geschwistern (was, du hast nur EINEN Bruder? Keine Schwestern, oder kleine Brüder? Wirklich?) fragte sie mich dann, ob ich denn Kinder habe. In meinem deutschen Denken fand ich die Frage irgendwie absurd und ziemlich überraschend. Also habe ich angefangen zu lachen und meinte: „ NEIN! Ich bin doch erst 19 Jahre alt!“ Hätte ich zu dem Zeitpunkt gewusst, dass mein Gegenüber ebenfalls 19 ist und ein 3 Jahre altes Kind hat…

 

Ja, solche Dinge passieren einer Mzungu, die sich in Tansania rumtreibt. Es gab natürlich noch viel mehr solcher Situationen, die ich entweder verdrängt, vergessen oder nicht für die Allgemeinheit geeignet sind :P Und wer weiß, wie viele Fettnäpfchen ich mitgenommen habe, ohne es bisher zu ahnen…

Bitte zieht keine falschen Rückschlüsse über die „Tansanische Kultur“, das hier sind nur kleine Anekdoten, die von keinem der Beteiligten böse gemeint war. Um die Hintergründe dazu zu erklären, wäre ein Blogeintrag definitiv nicht genug.

 

In diesem Sinne, viele liebe Grüße aus dem entfernten Ntoma ins ferne Europa!

Lena

 

 

 

 

Fotos

Autor: LenaSalewski | Datum: 10 Januar 2013, 10:22 | Kommentare deaktiviert

Hallo,

 

bis zum naechsten Blogeintrag muesst ihr euch noch ein paar Tage gedulden. Dafuer gibts neue Bilder in beiden Alben. Viel Spass!